Illegale Kugelbomben und andere Böller werden massenhaft im Internet bestellt. 1,5 Tonnen Pyrotechnik hat der Zoll in Hessen im vergangenen Jahr beschlagnahmt. Wegen „Hamsterkäufen“ werde es dieses Mal noch mehr, warnt der Zoll.
Sie zerfetzen Hände, können Menschen im Gesicht schwer verletzen und sogar töten. Verbotene Kugelbomben haben deutlich mehr Sprengkraft als handelsübliches Feuerwerk aus dem Supermarkt.
„Die Verletzungen werden immer schwerer“, warnt Amir Begdeli, Chefarzt der Handchirurgie am Klinikum Kassel. „Ganze Gliedmaßen werden abgetrennt.“
Was diese Böller so gefährlich macht, sei ihre kurze Zündschnur bei enormer Sprengkraft, sagt Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen. Wer sie zündet, habe häufig keine Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.
In der Silvesternacht 2024/2025 starb in Geseke (Nordrhein-Westfalen) ein 24-Jähriger nach der Explosion einer Kugelbombe. Zahlreiche Städte in Hessen haben bereits lokale Böllerverbote ausgesprochen.
„Trend, verbotene Waren zu bestellen“
Rund 1,5 Tonnen Pyrotechnik hat der Zoll 2024 in Hessen sichergestellt. Fast alles in Paketen. Es gebe einen klaren Trend, verbotene Ware im Internet zu bestellen, „die nach hiesigen Gesetzen nicht von jedermann genutzt werden darf“.
An den Verpackungen lasse sich erkennen, dass das Feuerwerk aus China stammt und „über den Weg Osteuropa hierhergeschickt wurde“. Das sei dort ohne größere Nachweise unkompliziert möglich.
„Männer, die das Verbotene reizt“
Dabei ist Besitz und Nutzung strafbar. Wer mit verbotenen Kugelbomben hantiert, riskiere bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe, warnt das hessische Sozialministerium kurz vor Silvester. Die Sprengkörper seien erheblich unsicherer als zugelassenes Feuerwerk.
Im Bezirk des Hauptzollamtes Gießen kontrolliert der Zoll Paketdienste zum Jahresende besonders intensiv. Bestellt würden die sogenannten „Polen-Böller“ meist von Männern zwischen 20 und 50 Jahren. Menschen, „die das Verbotene reizt und denen die üblichen Feuerwerkskörper nicht mehr ausreichen“, vermutet Bender.
2,5 Kilogramm Sprengstoff in einem Böller
Doch auch illegale Großhändler nutzen den Postweg. Ende vergangenen Jahres entdeckten die Gießener Zöllner ein Paket aus Tschechien. Die Spur führte zu einem Bauernhof im Kreis Groß-Gerau. In einem Lager und einem ehemaligen Kühlhaus lagen mehr als 500 verbotene Kugel- und Zylinderbomben, die größte enthielt 2,5 Kilogramm Sprengstoff.

Ermittelt wurde gegen den Verdächtigen wegen fehlender sprengstoffrechtlicher Erlaubnisse sowie wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.
Strengere Regeln in Osteuropa
Für dieses Silvester rechnen die Ermittler mit einer neuen Welle illegaler Bestellungen. Bender befürchtet diesbezüglich eine Reihe von „Hamsterkäufen“. Denn: In Tschechien gelten inzwischen schärfere Regeln für Verkauf und Gebrauch von Feuerwerk.
„Einige der Internethändler weisen auf mögliche Gesetzesänderungen in der Zukunft hin“, sagt Bender, wohl um die Kauflust ihrer Kundschaft weiter anzutreiben.
Woran Sie geprüftes Feuerwerk erkennen
Geprüftes Feuerwerk ist unter anderem am CE-Zeichen zu erkennen. Darauf weist das Sozialministerium hin. Und Böller sollten niemals in der Hand gezündet werden. Bei Feuerwerk der Kategorie F1 muss ein Meter Abstand eingehalten werden beim Böllern – bei der Kategorie F2 sind es acht Meter.
Mediziner Begdeli appelliert: Wer Alkohol getrunken hat, sollte keinen Böller anfassen. Und grundsätzlich gilt: Finger weg von illegalem Feuerwerk.