Sie betrieben Kokain-Handel und lagerten den Stoff im heimischen Bettkasten – nun müssen zwei Halbgeschwister ins Gefängnis. Das Landgericht Fulda verurteilte sie zu Haftstrafen.
Nachdem sie in großem Stil mit Kokain gehandelt haben, sind zwei Halbgeschwister aus dem Landkreis Fulda zu Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Fulda verhängte am Montag sieben Jahre und sechs Monate gegen eine 21 Jahre alte Angeklagte aus Eiterfeld. Ihr 40 Jahre alter Halbbruder aus Hünfeld, der für das Lagern des Rauschgifts mitverantwortlich war, bekam eine Haftstrafe von drei Jahren.
In den Plädoyers hatte die Staatsanwaltschaft für beide noch höhere Strafen gefordert: acht Jahre und neun Monate für die junge Frau und drei Jahre und acht Monate für den Mann. Die Rechtsbeistände der Angeklagten hielten vier bis fünf Jahre für die Frau und zwei Jahre auf Bewährung für den Mann für angemessen.
Geständnisse zum Auftakt
Die nicht vorbestraften Halbgeschwister mussten sich seit Anfang Juni vor dem Landgericht Fulda verantworten. Gleich zu Prozess-Beginn legten beide Geständnisse ab und räumten die Vorwürfe weitgehend ein. Das kam ihnen beim Urteil strafmildernd zugute, wie das Gericht erklärte. Denn die Mengen, mit der Kokain-Handel betrieben wurde, seien für osthessische Verhältnisse sehr hoch gewesen.
Laut Anklage beteiligte sich die 21-Jährige als Mitglied einer Drogen-Bande am Handel mit Kokain in nicht geringer Menge. Allein bei einer Fahrt, die sie zur Beschaffung organisiert haben soll, wurden rund 30 Kilogramm von einer Fahrerin von Hamburg nach Fulda gebracht. Diese Menge hat bereits einen Straßenverkaufswert von knapp zwei Millionen Euro.
Der jungen Frau wurden laut Anklage insgesamt 16 Taten in der Zeit von Ende September bis Ende Oktober 2024 vorgeworfen. Sie habe Kokain-Kurierfahrten durch Deutschland organisiert, etwa nach Offenbach, Karlsruhe und Pforzheim (Baden-Württemberg). Zudem sei sie ein Bindeglied zu weiteren Banden-Mitgliedern gewesen.
Kokain und Waffen im Bettkasten
Neben ihr auf der Anklagebank saß bei der Urteilsverkündung ihr 40 Jahre alter Halbbruder. In seiner Wohnung in Hünfeld wurden den Angaben zufolge Drogen und Waffen deponiert. Der Bettkasten in der Wohnung diente als Lager. Daraus wanderten kiloweise Kokain-Pakete raus und rein. Mann war deswegen in 13 Fällen zur Beihilfe angeklagt.
Als Banden-Mitglied betrachtete das Gericht den Halbbruder aber letztlich nicht. Er sei überrumpelt worden und sein Lager im Bettkasten sei nur eine Notlösung gewesen, erklärte das Gericht.
Zur Bande gehörten laut Staatsanwaltschaft mindestens fünf Mitglieder. Zwei Frauen werden gesondert strafrechtlich verfolgt, wie der Staatsanwalt erklärte. Zudem gebe es einen unbekannten Hintermann, von dem in Chats die Rede war.
Überwacht und festgenommen
Die Polizei bekam Kenntnis von den Aktivitäten der Angeklagten, überwachte die Telefone der Verdächtigen und observierte sie, bis Beamte sie im Winter 2024 festnahmen.
Als Motiv für die Banden-Mitgliedschaft und den Kokain-Handel sah das Gericht in erster Linie keine finanziellen Anreize auf Seiten der Angeklagten. Die Frau habe vor allem nach Anerkennung in einer Gruppe gesucht.
Die Staatsanwaltschaft warf der jungen Frau vor, durch die Mitgliedschaft ihr Geltungsbedürfnis befriedigen zu wollen. Sie habe „jemand sein wollen“, der als Dreh- und Angelpunkt in der Bande fungiert und Kontrolle ausübt. Seit der Mitgliedschaft in der Bande habe sie es sich auch leisten können, eine Luxuskarosse zu fahren.
Reue, Tränen und eine Entschuldigung
Die 21-Jährige hatte die Plädoyers dazu genutzt, um Reue zu zeigen. Unter Tränen entschuldigte sie sich bei einer Freundin und ihrem Halbbruder, den sie in die Sache reingezogen habe und seine Hilfsbereitschaft als Lagerist der Drogen ausgenutzt habe.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Rechtsmittel der Revision ist zugelassen. Die Verteidigerin und Verteidiger machten auf hr-Anfrage nach dem Urteil noch keine Angaben, wie sie sich entscheiden.