Bei Notfällen oder Unfällen kommen auch Experten des Technischen Hilfswerks zum Einsatz. Jugendliche der Rettungsorganisation üben derzeit diverse Szenarien – und gehen dafür auch aufs Wasser.

Die Rettung einer ertrinkenden Person im Fluss, Löscheinsätze bei Bränden und die Bergung von Unfall-Opfern: In Bad Hersfeld finden am Freitag Rettungseinsätze am laufenden Band statt. Es sind alles nur Übungen.

Nachwuchs-Helfer sollen Erfahrungen für den Einsatz im Ernstfall sammeln. Das Technische Hilfswerk (THW) veranstaltet deshalb noch bis einschließlich Sonntag in Bad Hersfeld und Hauneck (Hersfeld-Rotenburg) diverse Übungen für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz.

Einblicke geben und Helfer finden

Beteiligt an dem Übungswochenende sind 100 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren. Sie sind Mitglieder beim THW, bei der Freiwilligen Feuerwehr und beim Jugendrotkreuz, der Nachwuchsorganisation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Ziel der Veranstaltung ist es, jungen Menschen praxisnahe Einblicke in die Arbeit der Hilfs- und Rettungsorganisationen zu geben, wie Tim Bauer vom Bad Hersfelder THW-Ortsverband erklärt. Zugleich sollen sie frühzeitig für ein ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz und Rettungsdienst motiviert werden.

„Die Förderung des Nachwuchses ist ein zentraler Baustein, um auch künftig auf engagierte und gut ausgebildete Ehrenamtliche zurückgreifen zu können“, sagt Bauer.

Keine Nachwuchssorgen: Mitgliederzahlen stabil

Das THW in Hessen hat derzeit nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren als Mitglieder. Aktive Einsatzkräfte gebe es rund 6.900. Die Zahlen seien relativ stabil, berichtete THW-Sprecher Michael Walsdorf. Das alles sei aber kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis konsequenter Nachwuchsarbeit.

Das THW biete den Heranwachsenden eine praxisnahe Ausbildung, echte Aufgaben und Gemeinschaft. „Das zieht“, beurteilt Walsdorf. Die Konkurrenz um Freizeit sei aber groß. „Und die Anforderungen an die Einsatzbereitschaft steigen.“

Lernen, Hindernisse zu überwinden

Eine der ersten Übungen beim Katastrophenschutz-Wochenende in Bad Hersfeld fand am Freitagmorgen am Ufer der Fulda und auf der Fulda statt. Eine hilflose Person sollte aus dem Fluss gerettet werden. In Wirklichkeit war es natürlich nur ein orangefarbene Kunststoffpuppe, die einem menschlichen Körper ähneln sollte.

Die jungen Helfer fuhren bei der Übung mit einem Motorboot der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) auf den Fluss hinaus, um die Bergung vorzunehmen. Mit dabei war auch THW-Jugendmitglied Paul Braun: „Aufgeregt war ich eigentlich nicht. Wir haben so etwas ja auch schon mal geübt. Und selbst wenn es mal Hindernisse gibt, bekommen wir das gelöst.“

Bootsführer: „Die Jungs haben ihre Sache gut gemacht“

Nach erfolgreicher Bergung sagte DLRG-Bootsführer Stefan Orth: „Die Jungs haben ihre Sache gut gemacht. Sie waren sehr interessiert und ich konnte ihnen erklären, worauf es ankommt.“

Orth hat beim Thema Nachwuchsgewinnung die Erfahrung gemacht, dass es erst schwer ist, an die jungen Leute ranzukommen. „Wenn sie aber erstmal da sind und man ihnen etwas bieten kann, bleiben sie auch gern dabei“, sagt er.

Einsatz bei verunglücktem Dorffest

Neben der Wasserrettung auf der Fulda standen auch Rettungsszenarien in der Innenstadt an. Die Helfer wurden etwa zu einem Gebäude für einen Löscheinsatz gerufen. Aus einem Keller drangen Rauchschwaden. An der City Galerie sollten sie einer gestürzten und verletzten Person helfen und dann auch noch einer Person in einem verunglückten Auto.

Am Samstag liegt dann der Einsatzort der jugendlichen Helfer in Hauneck. Dort stehen diverse Probleme am Rande eines – so die Annahme – völlig verunglückten Dorffestes auf dem Programm: Es gibt Rauch in einer Scheune, vollgelaufene Keller, einen Autounfall, einen verunglückten Radfahrer, einen unter einem Betonteil eingeklemmten Baurbeiter und zudem noch einen Flächenbrand auf einem Feld. Dabei lernen sich die Retter auch richtig zu koordinieren, wie das THW erklärt.

Gelerntes im Ernstfall anwenden

Es gibt viel zu tun für die jungen Helfer. Doch sie sind mit Feuereifer dabei, wie Gruppenführer Sven Möller beim THW Bad Hersfeld beobachtet: „Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind mit Spaß und Einsatz bei der Sache. Sie sammeln viele Eindrücke und können zeigen und anwenden, was sie in den Ausbildungsdiensten gelernt haben.“

Am Ende des Wochenendes sollen sie gestärkt aus dem Übungsmarathon hervorgehen, wie Möller sagt. Dabei sollen sie aber auch immer schauen, dass ihnen selbst nichts passiert.

In den Ausbildungseinheiten bekommen die Jugendlichen vermittelt, was erwachsene, aktive Helfer später mal können sollen. Besonders beeindruckt sind sie, so Möller, auch vom Einsatz mit schwerem Gerät, etwa wenn Verunglückte nach einem Autounfall aus Fahrzeugwracks herausgeschnitten werden.

54.000 Einsatzstunden pro Jahr in Hessen

Die THW-Hilfskräfte in Hessen leisten pro Jahr 54.000 Einsatzstunden, wie die Organisation berichtet. Damit es dabei so gut wie möglich läuft, würden pro Jahr noch mal über 490.000 Übungsstunden geleistet. 98 Prozent der THW-Angehörigen arbeiten freiwillig und ohne Bezahlung bei der ehrenamtlichen Einsatzorganisation. Bundesweit sind 80.000 Ehrenamtliche und rund 2.200 Hauptamtliche tätig.

Das Einsatzspektrum reicht vom lokalen Unwetterschaden bis zur internationalen Katastrophe. Gesetzlich ist das THW nach eigenen Angaben beauftragt, technische Hilfe im Zivilschutz zu leisten, Katastrophen und öffentliche Notzustände zu bekämpfen sowie im Auftrag der Bundesregierung im Ausland tätig zu werden.

In der Praxis bedeutet das: Helfer pumpen Keller nach Überschwemmungen leer, stützen einsturzgefährdete Gebäude, versorgen Betroffene mit Strom und Trinkwasser, errichten Brücken oder räumen Straßen frei. Daneben unterstützt das THW Feuerwehr, Polizei und andere Hilfsorganisationen als technischer Partner – dort, wo spezielles Gerät oder Fachkenntnis gefragt ist.

Um auf diese Bandbreite der Aufgaben vorbereitet zu werden, wird der Nachwuchs bei Übungen eingebunden, so wie am Wochenende in Bad Hersfeld und Hauneck.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert