Mi. Jun 19th, 2024
Immer mehr hessische Geldhäuser wollen auf Karten aus Einwegplastik verzichten. Um die Umwelt zu schützen, wollen sie den Kunststoff zumindest mehrfach nutzen. Wieder andere setzen auf Holz. Ob das aber wirklich nachhaltig ist, ist umstritten.

Rund 45.000 Kundinnen und Kunden haben die Wahl: Der VR-Bankverein Bad Hersfeld-Rotenburg bietet neben den klassischen Kreditkarten aus Plastik neuerdings auch Karten aus Holz an. Unter den 51 hessischen Genossenschaftsbanken geht die Bank mit Sitz in Bad Hersfeld als eine von wenigen Instituten seit dieser Woche innovative Wege. Langfristig soll Holz bei allen Kartentypen als Alternative zu Plastik angeboten werden, auch bei Girokarten.

Die Holzkarten seien nachhaltiger, da es sich bei Holz um einen nachwachsenden Rohstoff handle, meint Kati Lugerbauer, die bei der Bank für die Karten zuständig ist: “Außerdem fühlt sich Holz angenehm an.” Die Holzkarten seien genauso stabil wie Plastikkarten. Vom Geldabheben bis zum Bezahlen im Laden sei damit alles möglich, selbst kontaktlos.  

Von Wiesbaden aus in die Welt

Hergestellt werden die Karten in Wiesbaden, von der Firma DG Nexolution, einem Dienstleister der Genossenschaftsbanken. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Marco Rummer erklärt, es handele sich dabei um Ahornholz aus zertifizierten Wäldern, idealerweise aus der Region. Das werde in mehreren Lagen übereinander geklebt. Dazu komme der Kartenchip, der Magnetstreifen und die für das kontaktlose Bezahlen nötige Antenne. Alles werde von einem Biokleber zusammengehalten.

Damit bringt die Firma laut Rummer weltweit die ersten plastikfreien Bankkarten auf den Markt. DG Nexolution leiste damit einen Beitrag dazu, Plastikmüll zu reduzieren und C02-Emissionen zu sparen. Wie viel, könne man aktuell nicht sagen, da sich das Projekt noch in der Pilotphase befinde. Neben dem VR-Bankverein Bad Hersfeld-Rotenburg beliefert der Kartenhersteller zum Beispiel auch die VR-Bank Main-Kinzig Büdingen, weitere Banken seien interessiert. Es gibt laut der Firma Anfragen aus aller Welt.

Wichtiger als die Karte: das Kontomodell

Aus Umweltsicht seien Holzkarten wohl besser als Plastikkarten, schätzt Christian Klein, Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel. Aber die Auswirkungen hält er für überschaubar. “Entscheidend ist doch nicht, mit welcher Karte ich mein Geld abhebe, sondern was mit diesem Geld gemacht wird, solange es auf meinem Konto liegt”, meint Klein. Daher lobt er Nachhaltigkeitsbanken wie die GLS Bank, die eine Niederlassung in Frankfurt hat. Neben umweltfreundlichen Karten würden sie dazu passende Kontomodelle und Geldanlagestrategien anbieten.

Seit diesem Monat verteilt die GLS Bank an alle Neukunden Girokarten als Holzkarten und arbeitet dafür ebenfalls mit der Wiesbadener Firma DG Nexolution zusammen. Diese Karten würden bislang sehr gut ankommen, meint Marc Nitzschmann, der Vize-Chef der Bank. Oft hieße es, sie würden zu der Bank einfach gut passen.  

Allerdings räumt Nitzschmann ein, diese Holzkarten seien bisher nicht komplett biologisch abbaubar. “Das Problem ist, dass der Chip, Magnetstreifen und die Antenne sich nicht einfach mit zersetzen.” Da sei man noch dabei, einen passenden Recycling-Prozess zu entwickeln. Daher rät die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH FES Bankkunden, die eine Holzkarte besitzen: Bevor sie diese in die Biomülltonne werfen, sollten sie alle Elektronikteile entfernen.

Lieber recyceltes Plastik statt Holz?

Wegen der Entsorgung haben sich die hessischen Sparkassen gegen solche Holzkarten entscheiden. Denn das Holz und die metallischen Elemente ließen sich schlecht voneinander trennen, deshalb sei das Ganze am Ende nicht wirklich nachhaltig, meint Matthias Haupt, Sprecher der Finanzgruppe Hessen-Thüringen.

Stattdessen würden bei den Sparkassen ab nächstem Jahre alle Bankkarten aus recyceltem Plastik hergestellt. Man bitte die Kunden dafür alte Bankkarten nicht wegzuwerfen, sondern wieder zu ihrer Sparkasse zurückzubringen. Die darin enthaltenen Komponenten wie etwa der Chip könnten dann wiederverwertet werden.

Deutsche Bank setzt auf recycelten Kunststoff

Die Deutsche Bank mit Sitz in Frankfurt stellt die Produktion der Karten seit diesem Jahr ebenfalls schrittweise um und will dafür immer mehr recycelten Kunststoff nutzen. Langfristig will man alle 19 Millionen Kunden von der Deutschen Bank, der Postbank und der Norisbank mit recycelten Karten versorgen.

Das verbessere den ökologischen Fußabdruck des Konzerns, heißt es. Ab diesem Monat sei die Abgabe abgelaufener Karten in den Filialen der Postbank und der Deutschen Bank möglich. So strebt auch die Deutsche Bank ein Kreislaufsystem an, bei dem die metallischen Elemente nicht verloren gehen.

Hier ist für den Kasseler Nachhaltigkeitsexperten Klein ebenfalls fraglich, wie viel das Ganze bewirkt. Gleichzeitig lobt er, dass dadurch eine gesellschaftliche Diskussion angeregt wird: “Ich hoffe, dass bei Bankkunden ein Bewusstsein entsteht, was sie alles unternehmen müssen, um die Welt unseren Kindern enkeltauglich zu übergeben.”