Do. Jun 13th, 2024
Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg wird Frankfurt nicht verlassen. Der geplante Umzug des Unternehmens der Rewe-Gruppe nach Erlensee im Main-Kinzig-Kreis ist nach jahrelangen Plänen gestoppt. Der Konzern nannte verschiedene Gründe.

Das Projekt war eigentlich seit sechs Jahren geplant, nun wird es verworfen: Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg bleibt in Frankfurt und zieht nicht nach Erlensee (Main-Kinzig) um.

Die geplante Zentrale und Produktionsstätte wird nicht errichtet, wie ein Unternehmens-Sprecher dem hr am Donnerstag bestätigte. Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet. Am Standort im Frankfurter Stadtteil Fechenheim sind aktuell rund 1.400 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Fleischwerk in Dreieich (Offenbach) bleibe ebenfalls erhalten, teilte die Großmetzgerei zudem mit. Dort arbeiten dem Sprecher zufolge rund 550 Menschen.

Fleischkonsum rückläufig

Man werde die Pläne eines neuen Fleischwerks in Erlensee nicht weiter verfolgen, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung. Zu dieser Entscheidung hätten mehrere Gründe geführt. So habe sich das Markt- und Wettbewerbsumfeld seit den ersten Planungen aus dem Jahr 2016 deutlich verändert.

“Veränderte Verzehrgewohnheiten wirken sich auf den Fleischkonsum aus, Themen wie der Klimawandel und die Rolle tierischer Produkte werden verstärkt diskutiert, neue gesetzliche Regelungen erhöhen die Kosten.”

Für seine neue Großmetzgerei hatte Rewe noch vor wenigen Jahren ein zusammenhängendes Grundstück von 15 Hektar Fläche gesucht. Das fand man schließlich auf dem ehemaligen Fliegerhorst Erlensee-Langendiebach.

Nicht nur der Frankfurter Standort sollte dorthin verlegt werden, sondern auch der Betrieb in Dreieich (Offenbach). Zum Zeitpunkt der ersten Planungen arbeiteten in beiden Werken zusammen knapp 1.400 Menschen.

Corona und Ukraine-Krieg beeinflussten Entscheidung

Nach einer zweijährigen Planungszeit war der Baubeginn für 2020 ins Auge gefasst worden. Dann kam die Corona-Pandemie. Auch ihre Auswirkungen sowie die des Ukraine-Krieges hätten zu der jetzigen Entscheidung beigetragen, betonte Rewe.

Als weitere Gründe nannte Rewe unternehmensinterne Entwicklungen wie die Integration des früheren Kaiser’s-Tengelmann-Fleischwerks in Perwenitz in Brandenburg in den Konzern. Ende 2021 habe man außerdem mit dem Erwerb des Meister-Betriebs in Gäufelden (Baden-Württemberg) einen weiteren Produktionsstandort ins Unternehmen geholt.

“Werden Modernisierungskurs fortsetzen”

Künftig wolle man sich mit den bestehenden Betrieben deutlich regionaler ausrichten, hieß es weiter. “Wir werden den Modernisierungskurs fortsetzen und mit massiven Investitionen in unsere Bestandsbetriebe unter anderem in Frankfurt und Dreieich Optimierungen und Sortimentsverlagerungen forcieren.”

Das Grundstück in Erlensee, das Rewe schon vor Jahren gekauft hatte, will man behalten. Was damit passieren soll, ist noch unklar. Man prüfe weiterhin eine “nachhaltige Nutzung der Fläche innerhalb der Gruppe.”

Zweckverband nicht von Entwicklung überrascht

Die Bürgermeisterin von Bruchköbel (Main-Kinzig), das neben Erlensee dem Zweckverband Fliegerhorst zur Entwicklung des Gewerbeparks angehört, Sylvia Braun (FDP), zeigte sich von der Entscheidung nicht überrascht. “Natürlich sind wir auch schon seit längerem mit Rewe im Gespräch”, sagte sie dem hr.

Der Konzern hatte demnach dem Zweckverband auf Nachfragen, warum es mit dem Bau nicht weitergehe, bereits geäußert, dass es wegen der Marktveränderungen Umplanungen gebe.

Künftige Nutzung des Grundstücks noch offen

Wie es mit dem Gelände weitergehe, sei nun Sache von Rewe, betonte Braun. Etwaige Nutzungen müssten aber dem bestehenden Bauplanungsrecht entsprechen oder dieses müsse geändert werden. Doch dazu bedürfe es erst einer konkreten Anfrage von Rewe für eine kommende Nutzung.

Wegen eines möglichen Wegfalls üppiger Gewerbesteuern, zeigte sich die Bürgermeisterin wenig besorgt. “Perspektivisch gesehen lag das ja weit in der Zukunft.” Außerdem gehöre das Gelände immer noch Rewe. “Irgendetwas wird da passieren, und dann wird es auch Steuereinnahmen geben.”