Fr. Jun 14th, 2024
Das Jüdische Museum Frankfurt reagiert auf die Angriffe am 7. Oktober auf Israel und auf den wachsenden Antisemitismus mit einer Bildungsoffensive. Auch verstärkte Sicherheitsvorkehrungen wurden nötig. Für 2023 verzeichnete das Haus trotzdem einen Rekord.

Knapp 100.000 Gäste in einem Jahr: Das Jüdische Museum Frankfurt hat 2023 einen Besucherrekord verzeichnet. Das sei eine Zunahme um 30 Prozent gegenüber 2022 (76.400 Gäste), sagte die Direktorin Mirjam Wenzel am Mittwoch bei einem Ausblick auf das Programm für das Jahr 2024. Die Besuche setzten sich zusammen aus dem Haupthaus am Bertha-Pappenheim-Platz (64.800 Gäste), dem Museum Judengasse (25.400) und der Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle (1.400).

Anders als bei anderen jüdischen Museen habe es in Frankfurt nach dem 7. Oktober, dem Tag des Angriffs der Hamas auf Israel, also keinen Einbruch der Besucherzahlen gegeben, berichtete Wenzel. Weitere 8.400 Gäste hätten an Veranstaltungen und 5.200 Schüler an Führungen und Workshops teilgenommen.

Fünf antisemitische Vorfälle angezeigt

Fünf antisemitische Vorfälle hat das Museumsteam zur Anzeige gebracht: Hakenkreuze und Schmähungen auf Feedback-Wänden, Schmierereien an einer Gedenkstätte und zwei volksverhetzende Briefe. Problematische Kommentare in den sozialen Medien hielten sich in Grenzen, sagte Wenzel.

Seit dem 7. Oktober wurden zudem die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Das konterkariere die Programmatik des Museums, “aber wir halten das in der aktuellen Lage für nötig”, sagte Wenzel. Bewaffnete Polizisten bewachen den Eingang, die Türen sind geschlossen, im Foyer wurden Einbahnwege eingeführt. Die Maßnahmen sollen größtmögliche Sicherheit für die Besucher gewährleisten, damit diese nicht aus Angst das Museum meiden.

“Zäsur des 7. Oktobers” deutlich gemacht

Der nicht-jüdischen Bevölkerung soll zudem “die Zäsur des 7. Oktobers” deutlich gemacht werden: Im Hof des Museums läuft eine Soundinstallation, bei der tagesaktuell Namen und Alter der israelischen Geiseln verlesen werden. In der Bibliothek sind Videointerviews mit Angehörigen der Geiseln zu sehen. In einer Kabinettsausstellung kommt eine befreite Geisel zu Wort.

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