Do. Jun 20th, 2024
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind zehntausende Geflüchtete nach Hessen gekommen. Eine Initiative der Bundesregierung soll sie schneller fit für den Arbeitsmarkt machen. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus Frankfurt.

Nataliia Romanenko steht zwischen Metallkisten in einer großen Lagerhalle im Norden von Frankfurt. Ihr neuer Arbeitgeber, die Johanniter Unfallhilfe, lagert hier Hilfsgüter – unter anderem für den Aufbau eines mobilen Feldkrankenhauses. Die 30 Jahre alte Ukrainerin arbeitet seit sechs Wochen als Einkäuferin bei der Hilfsorganisation. “Ich bin verantwortlich für die Qualitätssicherung von Produkten, die Suche nach Lieferanten und die Analyse des Marktes”, erklärt sie.

Romanenko kam vor zwei Jahren nach Deutschland, sie flüchtete vor dem Krieg in ihrem Heimatland. In einem Integrationskurs lernte sie Deutsch und konnte so auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Behörden und Arbeitgeber vernetzen sich

Dass das bei Romanenko relativ schnell ging, soll mit dem sogenannten “Job-Turbo” zu tun haben. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Bundes, mit der Geflüchtete aus der Ukraine und auch anderen Ländern schneller in Arbeit kommen sollen – dank enger Zusammenarbeit von Behörden und Arbeitgebern.

Dazu gehören nicht nur Integrations- und Sprachkurse, sondern auch Bewerbertage und Vermittlungsgespräche mit potentiellen Arbeitgebern. Die Jobcenter sollen die Geflüchteten dabei besonders unterstützen. Seit vergangenem Herbst läuft das Programm. Die hessische Landesregierung und die Bundesagentur für Arbeit ziehen nun eine erste positive Zwischenbilanz.

“Ich bin der festen Überzeugung, dass gelungene Integration zum einen der Erwerb der deutschen Sprache ist, aber zum zweiten auch die Integration in den Arbeitsmarkt ist”, sagt Hessens Arbeitsministerin Heike Hofmann (SPD). “Der Job-Turbo zeigt, dass beides gemeinsam gelingen kann.”

Arbeitsmarkt auf Zuwanderung angewiesen

Diese Integration sei nicht nur für die geflüchteten Menschen wichtig, sondern helfe auch gegen den Arbeitskräftemangel in Hessen. “Der deutsche Arbeitsmarkt kann auf Grund der demografischen Struktur kein Wachstum mehr erzeugen ohne Zuwanderung”, erklärt Frank Martin, Geschäftsführer der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Man brauche die Menschen aus dem Ausland auf dem Arbeitsmarkt – auch Geflüchtete. Martin gibt allerdings zu bedenken: “Die Geflüchteten werden sicherlich nicht den gesamten Fachkräftemangel in Hessen lösen können.”

Den “Job-Turbo” bewertet Martin positiv: “Wir merken bereits jetzt, dass die Qualifizierungen sich fast verdoppeln”, berichtet er. “Wir haben viele positive Beispiele von Arbeitsaufnahmen.”

“Job-Turbo” zahlenmäßig noch nicht überprüfbar

Exakt überprüfen lässt sich der Erfolg des “Job-Turbos” allerdings noch nicht. Wie die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage mitteilt, werden die Zahlen über Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt immer mit einigen Monaten Verspätung rückwirkend dokumentiert, sodass der Effekt des Programms noch nicht sichtbar ist.

Trotzdem ist die Beschäftigungssituation der Geflüchteten aus der Ukraine in Hessen relativ gut dokumentiert. Nach Hessen sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit Kriegsbeginn rund 89.500 Ukrainerinnen und Ukrainer gekommen (Stand Februar 2024). Nicht mitgezählt werden Menschen, die vor dem Ausbruch des Krieges nach Hessen gekommen sind.

Rund 17.000 Geflüchtete aus der Ukraine haben mittlerweile einen Job, davon sind rund 3.700 geringfügig beschäftigt. Etwa 18.600 Menschen sind dagegen arbeitslos gemeldet.

Flexiblere Anerkennung von Qualifikationen nötig

Auch wenn Arbeitsministerin Hofmann und die Bundesagentur für Arbeit bisher zufrieden sind mit dem “Job-Turbo”: Einigkeit herrscht auch darüber, dass vieles noch flexibler werden müsse. Dazu gehört beispielsweise die Anerkennung von Abschlüssen und Qualifikationen aus dem Ausland.

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