Mo. Jun 24th, 2024
Fast 40 Jahre nach der Vergewaltigung und dem Mord an der damals 15 Jahre alten Jutta Hoffmann hat der Prozess in Darmstadt begonnen. Eine neue DNA-Spur hatte die Ermittler zum mutmaßlichen Mörder geführt.

Fast vier Jahrzehnte lang sah es so aus, als sollte der brutale Mord an der 15-jährigen Jutta Hoffmann aus Lindenfels (Bergstraße) ungeklärt bleiben. Jetzt gibt es Hoffnung auf Gewissheit: Am Mittwoch – rund 37 Jahre nach der Tat – startete am Landgericht Darmstadt der Prozess gegen den 62 Jahre alten mutmaßlichen Mörder.

200 Seiten lange Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, das Mädchen im Juni 1986 unweit ihres Elternhauses in den Wald gezerrt, vergewaltigt und anschließend erstochen zu haben. Damit soll er versucht haben zu verhindern, dass die Jugendliche ihn identifiziert und anzeigt.

Die Anklageschrift hat nach Angaben eines Gerichtssprechers mehr als 200 Seiten und erhebt den Vorwurf des Mordes. Anders als andere Verbrechen verjährt Mord in Deutschland nicht, deswegen kann es auch so lange nach der Tat zum Prozess kommen. Noch ist nicht absehbar, wann es zu einem Urteil kommen könnte. Der Prozess ist vorerst bis in das kommende Jahr hinein terminiert.

Neue Spuren führten zum Verdächtigen

Jutta Hoffmann hatte mit Freunden das Freibad in Lindenfels besucht. Am Abend des 29. Juni 1986 machte sie sich zu Fuß auf den Weg nach Hause – und kam dort nie an. Ihre Leiche wurde erst mehr als anderthalb Jahre später, am 10. Februar 1988, in einem Waldstück in Lindenfels von einem Spaziergänger gefunden. Für die Ermittler war es zunächst sehr schwierig, die Todesursache zu klären.

Auch ein möglicher Täter konnte nicht ermittelt werden und so landete das Verbrechen bei den sogenannten Cold-Case-Einheiten von Landeskriminalamt und Polizei Südhessen. Die Cold-Case-Ermittler überprüfen ungeklärte Mordfälle von Zeit zu Zeit systematisch auf neue Hinweise. Mit neuer Kriminaltechnik werden Beweismittel auf bislang nicht entdeckte Spuren untersucht.

Bei einer erneuten Prüfung von Genspuren an den alten Beweismitteln wurde DNA des Verdächtigen entdeckt. Im März dieses Jahres wurde in der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY … Ungelöst” öffentlich nach dem Täter gefahndet. Zeugenaussagen erhärteten den Tatverdacht gegen einen Mann aus Bensheim (Bergstraße). Er wurde kurz nach der TV-Sendung festgenommen.