Fr. Jun 21st, 2024

In der Justizvollzugsanstalt Tonna sind zwei Männer leblos in ihren Zellen gefunden worden. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen schließen Ermittler eine Überdosis an Drogen nicht aus. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt. Die Fälle deuten auf ein bundesweites Phänomen des Einschmuggelns von Drogen in Haftanstalten hin.

Es kann eine harmlose Postkarte der Oma sein oder der Brief von der Freundin. Nichts deutet daraufhin, dass sich auf und in dem dünnen Papier hochdosierte teilweise lebensgefährliche Substanzen befinden. So werden synthetische Drogen zuvor flüssig auf das Papier aufgetragen und trocknen dort ein. Einmal in der Zelle des Häftlings angekommen, wird das Papier zerkleinert und mit Tabak versetzt. Das Ganze wird in eine Zigarette gedreht und geraucht, in der Hoffnung auf einen Drogenkick. Nur ist nicht immer sicher, wie das für den Häftling am Ende ausgeht.

Zwei Todesfälle in der Justizvollzugsanstalt Tonna beschäftigen aktuell die Staatsanwaltschaft Erfurt. Offiziell bestätigt wird lediglich, dass es zwei Verfahren zur Ermittlung der Todesumstände gibt – keine weiteren Details.

Drogen nur schwer zu entdecken

Die beschriebene Schmuggelmethode zeigt aber, dass Thüringen keine Insel ist. Denn das Thüringer Justizministerium bestätigte MDR THÜRINGEN, dass dies ein bundesweites Phänomen sei, dass auch in Thüringer Haftanstalten beobachtet werde, und dass es enorm schwer sei, diesem in irgendeiner Form Herr zu werden. Denn bei den Drogen, die auf das Papier aufgebracht werden, handelt es sich um sogenannte “Neue Psychoaktive Substanzen” (NPS). Dazu zählen Cannabinoide, die bei den herkömmlichen Drogentests, wie Urin- und Speichelkontrollen nur schwer nachzuweisen sind. Falsch und zu hoch dosiert können sie lebensgefährlich sein.

Inzwischen hat das Ministerium reagiert. Derzeit liefen Markterkundungen nach entsprechenden digitalen Drogenscannern, mit denen eingehende Post für die Häftlinge untersucht werden kann, heißt es. Dafür seien für das Haushaltsjahr 2024 entsprechende Mittel eingestellt worden.

Geplant sei noch in diesem Jahr, mit einem Pilotversuch in der JVA Tonna zu beginnen. In Tonna selber hat man wohl auch inzwischen reagiert. In einigen Hafthäusern sollen die Häftlinge wohl nicht mehr die originale Papierpost erhalten, sondern eine Kopie.

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