Keine Auskunft, keine Kontaktmöglichkeit, keine Flugzulassung. Ein neuer Fluganbieter am Kassel Airport lässt viele Fragen offen. Dabei sollen schon zur Weihnachtszeit die ersten Flieger abheben. Der Airport-Chef glaubt fest daran.
Blaues Meer, weiße Strände, grüne Palmen. Die Webseite von Fischer Reisen macht Lust auf Urlaub. Das liegt nicht nur an den schönen Bildern. Ab 99 Euro gibt es dort Flüge nach Mallorca. Ein Abstecher nach Kreta kostet 149 Euro. Dazu kommen Ziele auf den Kanarischen Inseln und in der Slowakei. Startflughafen sei jeweils der Kassel Airport.
Das neue Flugangebot von Fischer Reisen stärke den Regionalflughafen und die gesamte Region, teilt Geschäftsführer Lars Ernst mit. Ab 21. Dezember könnten Urlauber durchstarten, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit dem neuen Reiseveranstalter will der Airport wieder einen regelmäßigen Flugplan für den Winter anbieten. Das war zuletzt kaum der Fall, oft starteten nur einzelne Sonderflüge.
Der Kassel Airport bewirbt die Buchungsseite von Fischer Reisen gleich auf der Startseite seiner eigenen Homepage. Wer sich allerdings durch die Angebote klickt, stößt schnell auf offene Fragen.
Kein Kontakt möglich
Im Impressum finden sich kein direkter Kontakt und nur wenige Informationen zum Reiseveranstalter. Angegeben ist Fischer Air/Fischer Reisen ohne erkennbare Firmierung. Ein Gewerbe sei angemeldet. Darunter findet sich die Adresse eines anderen Regionalflughafens, des Bodensee Airports in Friedrichshafen.
Hier teilt man dem hr telefonisch mit, Fischer Reisen habe vor einiger Zeit ein Büro auf dem Gelände angemietet. Es sei aber noch nicht bezogen, deshalb sei auch kein Ansprechpartner vor Ort.
Weitere Informationen
Airport ohne Fluglärm
Seit seiner Gründung schreibt der Kassel Airport verlässlich rote Zahlen. Ursprünglich war geplant, dass der Flughafen bis 2020 kostendeckend arbeitet. Im Winter gibt es keine festen Flugverbindungen mehr. Nach Abzug des letzten stationierten Fliegers strich die Airline Sundair ab Oktober zunächst alle Verbindungen. Nun wird es nur einzelne Urlaubsflüge ab Kassel-Calden geben.Ende der weiteren Informationen
Verbraucherschützer sieht Zahlungsoption kritisch
Peter Lassek, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen, hat das Angebot im Blick. Er blickt skeptisch auf die karge Selbstauskunft des Betreibers. Der Online-Auftritt erscheine verfrüht, findet er.
Verbraucher müssen selbst das Risiko einer Buchung abwägen, rät der Verbraucherschützer: „Hier kann ich das Geld für den Flug nur überweisen. Und das soll innerhalb von 48 Stunden geschehen. Nur diese eine Zahlungsmöglichkeit – das ist absolut unüblich heutzutage.“
Keine Betriebsgenehmigung laut Airport kein Problem
Nach Angaben des Kassel Airports möchte Fischer Reisen Flugzeuge des Typs Boeing 737-800 von der neu gegründeten Airline Fischer Air in der Slowakei chartern. Im Firmenregister findet sich hierzu eine „s.r.o.“, das ist vergleichbar mit der deutschen GmbH. Das Stammkapital beträgt laut Auszug 5.000 Euro.
Bevor Flugzeuge einer Airline in der EU abheben dürfen, benötigt sie eine offizielle Betriebsgenehmigung der Luftfahrtbehörden. Bei Fischer Air liege die derzeit noch nicht vor, räumt der defizitäre Kassel Airport auf hr-Nachfrage ein.
Dieser Artikel wirft wichtige Fragen auf, aber die Kritik am neuen Anbieter wirkt einseitig. Warum wird die Airline nicht direkter befragt? Die Situation am Kassel Airport ist ja bekannt, aber eine sofortige Abwehr reaction ist nicht fair.