Die aufwendige Entsorgung von teerhaltigem Asphalt lässt die Kosten bei Straßensanierungen nicht selten in die Höhe schießen. Forschende der Uni Kassel wollen den krebserregenden Baustoff nun nachhaltig recyceln. Eine involvierte Baufirma macht den Praxistest.
Schon seit Jahrzehnten spielt Teer im modernen Straßenbau eigentlich keine Rolle mehr. Aufgrund krebserregender Stoffe bei der Verarbeitung wurde das Bindemittel in Deutschland bereits Mitte der 1980er Jahre verboten und durch Bitumen ersetzt. Doch noch immer schlummern Millionen von Tonnen des aus Kohle gewonnenen Baustoffs versiegelt unter deutschen Asphaltdecken – und werden bei der Sanierung von Straßen zu einem teuren Problem.
Denn wird der Stoff bei einem Straßenaufbruch freigelegt, muss er wegen seiner Krebsgefahr entweder als Sondermüll speziell gelagert oder in der aktuell einzigen dafür geeigneten Anlage Europas in Rotterdam entsorgt werden.
Dieser Aufwand mache im schlimmsten Fall 50 Prozent der gesamten Kosten eines Bauvorhabens aus, erklärte Konrad Mollenhauer, Leiter des Fachgebiets Bau und Erhaltung von Verkehrswegen an der Uni Kassel. Allein in Hessen betrage die Rechnung für die Entsorgung jährlich um die fünf Millionen Euro.
Uni und Baufirma arbeiten zusammen
Gemeinsam mit dem Bauunternehmen Stutz aus Kirchheim (Hersfeld-Rotenburg) arbeiten die Forschenden aus Kassel deshalb an einer kostengünstigeren und umweltfreundlicheren Recycling-Methode. „Es geht darum, bestehendes teerhaltiges Asphaltmaterial nachhaltig aufzubereiten, von den krebserregenden Stoffen zu befreien und in den Straßenbau zurückzuführen“, sagte Mollenhauer.

Gefördert wird das Projekt „NaReTe“ (Nachhaltiges Recycling von Teerstraßen) mit knapp einer halben Million Euro vom Land Hessen. Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) lobte bei der Übergabe des Förderbescheids in dieser Woche eine „anwendungsorientierte Forschung zwischen dem Mittelstand und den Hochschulen“.
Die richtige Temperatur ist entscheidend
Konkret wollen die Kasseler Forscher herauszufinden, wie die im Teer enthaltenen krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) aus dem Straßenaufbruch herausgefiltert werden können, ohne das Produkt für eine erneute Nutzung zu schädigen.
„Das derzeitige Standardverfahren ist, dass es thermisch behandelt wird. Das heißt, bei Temperaturen von 1.000 Grad wird es verbrannt, so dass alles reststofffrei weg ist“, erklärte Professor Mollenbauer. Allerdings würden dabei auch zugefügte Gesteine beeinträchtigt und eine effektive Wiederverwendung limitiert. Dies gelte es durch die richtige Wahl der Temperatur zu verhindern.
Neues Verfahren bis Ende nächsten Jahres
Im Praxistest soll das recycelte Produkt dann wiederum von der Baufirma Stutz auf seine Tauglichkeit überprüft werden. Die Frage laute: „Kann die neue Rezeptur einfach eingebaut werden, oder gibt es da Probleme?“, sagte Geschäftsführer Björn Stutz. Aktuell sei es noch eine „unglaubliche Verschwendung von Ressourcen“.
Ausgelegt ist das Projekt „NaReTe“ bis Ende 2027. Dann soll es bereits Verfahren geben, die praktisch eingesetzt werden können, so die Hoffnung.